Vermögensverwaltende GmbH und Gewerbesteuer: Die erweiterte Kürzung verständlich erklärt
Warum die vermögensverwaltende GmbH Gewerbesteuer zahlt, was die erweiterte Kürzung für Immobilien bewirkt, wo sie endet und wo der Antrag steht.
Von der Bilanzboss-Redaktion · veröffentlicht am · Stand der Angaben:

Kurz gesagt
Eine vermögensverwaltende GmbH zahlt Gewerbesteuer, auch wenn sie nur eigenes Vermögen verwaltet, denn sie gilt allein wegen ihrer Rechtsform als Gewerbebetrieb.
Für Gesellschaften, die ausschließlich eigene Immobilien verwalten, gibt es auf Antrag eine Ausnahme: Der Gewinn aus der Vermietung wird dann aus der Gewerbesteuer herausgerechnet.
Die Voraussetzungen sind eng: Jede andere gewerbliche Tätigkeit ist im Grundsatz schädlich, soweit das Gesetz sie nicht ausdrücklich zulässt.
Warum eine GmbH immer Gewerbesteuer zahlt
Bei einer GmbH kommt es für die Gewerbesteuer nicht darauf an, was sie tut. Das Gesetz behandelt alles, was eine Kapitalgesellschaft tut, als Gewerbebetrieb, ganz gleich, womit sie ihr Geld verdient. Eine GmbH, die nur Wohnungen vermietet oder nur Wertpapiere hält, ist deshalb gewerbesteuerpflichtig wie ein Handwerksbetrieb.
„Vermögensverwaltende GmbH“ ist also kein eigener Typ von Gesellschaft mit eigenen Regeln. Der Begriff beschreibt nur, was die Gesellschaft tut. Buchführung, Jahresabschluss, E-Bilanz, Steuererklärungen und Veröffentlichung sind dieselben wie bei jeder anderen GmbH. Welche Pflichten das im Jahr sind, zeigt die Zeitachse.
Gerechnet wird in drei Schritten. Ausgangspunkt ist der Gewinn. Dazu kommen bestimmte Hinzurechnungen, etwa ein Teil der Zinsen und Mieten, und es gehen bestimmte Kürzungen ab. Das Ergebnis heißt Gewerbeertrag.
Er wird auf volle 100 € abgerundet und mit 3,5 Prozent vervielfacht. Auf diesen Messbetrag wendet die Gemeinde ihren Hebesatz an, einen Prozentsatz, den jede Gemeinde selbst festlegt. Einen Freibetrag gibt es für die GmbH nicht.
Der Hebesatz hat eine gesetzliche Untergrenze, und sie ist gestiegen: Bis 2026 galt ein gesetzlicher Mindesthebesatz von 200 Prozent, ab 2027 sind es 280 Prozent. Was das für einzelne Gemeinden heißt, zeigt die Seite Mindesthebesatz. Ihre eigene Steuer können Sie mit dem Gewerbesteuer-Rechner nachrechnen.

„Gewerbesteuerfrei“ – was damit gemeint ist und was nicht
Eine Immobilien-GmbH wird nicht von der Gewerbesteuer befreit. Sie bleibt steuerpflichtig und gibt jedes Jahr die Erklärung ab. Die erweiterte Kürzung kann den Betrag aber bis auf null senken, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – daher das Wort „gewerbesteuerfrei“.
Umsatzsteuer bei der Vermietung
Die Vermietung von Wohnungen ist in der Regel von der Umsatzsteuer befreit. Dann gibt es auch keinen Abzug der Vorsteuer aus Rechnungen für das Haus.
Die einfache Kürzung: die Grundsteuer
Gehört der GmbH ein Grundstück, zahlt sie dafür Grundsteuer. Diese Grundsteuer wird vom Gewerbeertrag abgezogen. Seit 2025 zählt dafür der Betrag, der im Jahr tatsächlich als Aufwand gebucht ist.
Vorher wurde ein Prozentsatz eines alten Grundstückswerts abgezogen. Praktisch heißt das: Die Grundsteuer gehört auf ein eigenes Konto, sonst lässt sich der Betrag nicht belegen.
In den beiden üblichen Kontenrahmen, also den Nummerierungen der Buchhaltungskonten, ist das im SKR04 das Konto 7680 und im SKR03 das Konto 2375. Die Einzelheiten stehen unter Die Kürzung für Grundbesitz seit 2025.
Diese Kürzung bekommt jede Gesellschaft mit eigenem Grundstück, ohne Antrag und ohne besondere Voraussetzungen. Sie ist klein: Abgezogen wird nur die Grundsteuer, nicht der Gewinn aus dem Grundstück.

Die erweiterte Kürzung: der Mietgewinn bleibt außen vor
Für Gesellschaften, die nur eigene Grundstücke verwalten, gibt es eine zweite, viel größere Kürzung. Sie tritt an die Stelle der einfachen. Abgezogen wird dann nicht die Grundsteuer, sondern der ganze Teil des Gewerbeertrags, der aus der Verwaltung und Nutzung des eigenen Grundbesitzes stammt.
Wo der Antrag steht: die Gewerbesteuererklärung
Beantragt wird die erweiterte Kürzung in der Gewerbesteuererklärung des Jahres. Vier Bedingungen ergeben sich aus dem Wortlaut des Gesetzes:
- Nur auf Antrag.Die erweiterte Kürzung kommt nicht von selbst. Sie muss beantragt werden.
- Ausschließlich eigener Grundbesitz.Die Gesellschaft darf nur eigene Grundstücke verwalten und nutzen. Daneben darf sie eigenes Kapitalvermögen verwalten, also zum Beispiel Guthaben und Wertpapiere.
- Entweder oder.Einfache und erweiterte Kürzung gibt es nicht nebeneinander.
- Nur der Teil aus dem Grundbesitz.Gekürzt wird der Gewerbeertrag, der auf die Grundstücke entfällt. Zinsen und andere Erträge aus Kapitalvermögen bleiben gewerbesteuerpflichtig.
Das Wort „ausschließlich“ ist der Punkt, an dem es in der Praxis hakt. Jede andere gewerbliche Tätigkeit ist im Grundsatz schädlich, soweit sie nicht ausdrücklich zugelassen ist.
Das Gesetz lässt nur wenige Nebentätigkeiten in engen Grenzen zu, etwa die Lieferung von Strom aus erneuerbaren Energien, den Betrieb von Ladestationen und bestimmte Einnahmen aus Verträgen mit den Mietern. Die Grenzen sind als Anteil an den Mieteinnahmen bestimmt.
Betriebsaufspaltung: wenn die Immobilie der eigenen Firma dient
Ausgeschlossen ist die erweiterte Kürzung außerdem, wenn das Grundstück dem Gewerbebetrieb eines Gesellschafters dient. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die GmbH ihr Gebäude an die Firma ihres eigenen Gesellschafters vermietet.
Wortlaut, Ausnahmen und die zugelassenen Anteile stehen im Einzelnen unter Die Kürzung für Grundbesitz seit 2025.
Bei Verlust oder ohne Mieteinnahmen
Gekürzt wird nur ein positiver Gewerbeertrag. In einem Jahr mit Verlust gibt es nichts zu kürzen; die Erklärung ist trotzdem abzugeben.
Rechenbeispiel
Ein Rechenbeispiel
Ein erfundenes Beispiel: Eine GmbH besitzt zwei Mietshäuser und tut nichts anderes, als sie zu vermieten. Im Jahr 2026 erzielt sie 80.000 € Gewinn vor Steuern. Darin sind 6.000 € Grundsteuer als Aufwand gebucht. Der Hebesatz ihrer Gemeinde beträgt 400 Prozent. Die Tabelle zeigt die Rechnung mit der einfachen Kürzung.
Mit der einfachen Kürzung fallen in diesem Beispiel 10.360,00 € Gewerbesteuer an. Bei der erweiterten Kürzung würde statt der Grundsteuer der Teil des Gewerbeertrags abgezogen, der auf die Verwaltung und Nutzung der eigenen Grundstücke entfällt.
Eine Zahl dafür steht hier bewusst nicht: Wie groß dieser Teil ist und ob die Voraussetzungen erfüllt sind, hängt vom einzelnen Fall ab, und das Programm rechnet die erweiterte Kürzung nicht.
An der Körperschaftsteuer ändert die Kürzung nichts. Sie fällt unabhängig davon an: hier 12.000,00 €, dazu 660,00 € Solidaritätszuschlag. Die Kürzung betrifft allein die Gewerbesteuer.
Wertpapiere und Beteiligungen: Dividenden in der Gewerbesteuer
Für eine GmbH, die kein Grundstück besitzt, sondern Wertpapiere oder Anteile an anderen Gesellschaften hält, gibt es keine vergleichbare Kürzung. Zinsen und Kursgewinne aus Anleihen zum Beispiel gehören zum Gewerbeertrag wie jeder andere Gewinn.
Hält die GmbH Anteile an anderen Kapitalgesellschaften, gelten für die Ausschüttungen, die sie von dort bekommt, eigene Regeln.
Bei der Körperschaftsteuer bleiben solche Erträge außer Ansatz, wenn die Beteiligung zu Beginn des Jahres mindestens 10 Prozent beträgt.
Dabei gelten 5 Prozent des Ertrags als Ausgaben, die nicht abgezogen werden dürfen, sodass dieser Teil doch versteuert wird. Bei der Gewerbesteuer liegt die Schwelle höher: Erst ab einer Beteiligung von 15 Prozent zu Beginn des Jahres bleibt es dabei.
Darunter wird der Ertrag für die Gewerbesteuer wieder hinzugerechnet.
Ob diese Regeln im einzelnen Fall greifen, hängt an Einzelheiten wie dem Stichtag und der Art der Beteiligung. Mehr zu den jährlichen Pflichten steht auf der Seite Jahresabschluss der Holding-GmbH und im Ratgeber Pflichten und Kosten einer Holding; die Fristen einer Gesellschaft ohne eigenes Geschäft zeigt die Zeitachse.
Was eine gute Lösung können muss

Eine vermögensverwaltende GmbH hat wenige Buchungen, aber die Gewerbesteuer verlangt genaues Arbeiten. Darauf kommt es an, bei einer Kanzlei wie bei einem Programm:
- Sie rechnet die Gewerbesteuer mit dem Hebesatz Ihrer Gemeinde und kennt den gesetzlichen Mindesthebesatz des jeweiligen Jahres.
- Sie zieht die Grundsteuer ab, die wirklich gebucht ist, und zeigt, von welchem Konto der Betrag stammt.
- Sie sagt klar, ob sie die erweiterte Kürzung rechnet oder nicht.
- Sie trennt Erträge aus Grundstücken von Erträgen aus Kapitalvermögen, damit beide Teile einzeln sichtbar sind.
- Sie zeigt den Rechenweg vom Gewinn bis zur Steuer, damit eine Kanzlei ihn prüfen kann.
- Sie liefert Abschluss, E-Bilanz und alle Erklärungen aus einem Zahlenwerk.
Was die Gewerbesteuer kostet und was die Ausnahme kostet
Was die Gewerbesteuer ausmacht, zeigt das Beispiel oben: Messbetrag mal Hebesatz. Bei gleichem Gewinn zahlt eine Gesellschaft in einer Gemeinde mit hohem Hebesatz deutlich mehr als in einer mit niedrigem. Die Körperschaftsteuer kommt in jedem Fall dazu.
Die erweiterte Kürzung selbst kostet keine Gebühr. Sie kostet Sorgfalt. Die Gesellschaft muss jedes Jahr die Voraussetzungen einhalten, und das Finanzamt prüft sie. Fällt die Kürzung im Nachhinein weg, etwa weil eine Nebentätigkeit schädlich war, fällt Gewerbesteuer an, mit der die Gesellschaft nicht gerechnet hat.
Weil die Abgrenzung im Einzelfall schwierig ist, gehört diese Frage vor dem Antrag zu einer Steuerkanzlei; lassen Sie sich den Preis vorher nennen. Die Gewerbesteuer gehört bis zum Bescheid als Gewerbesteuerrückstellung in den Abschluss, ein Gewinn danach an die Gesellschafter über die Ausschüttung.
Fragen, die Sie stellen sollten
- Rechnen Sie die erweiterte Kürzung, oder nur die einfache?
- Welche Tätigkeiten schließen die erweiterte Kürzung allgemein aus?
- Wer stellt den Antrag, und in welcher Erklärung steht er?
- Steht die Grundsteuer bei uns auf einem eigenen Konto?
- Was kostet die Prüfung der Voraussetzungen, und wie oft ist sie nötig?
Häufige Fragen
Muss eine vermögensverwaltende GmbH Gewerbesteuer zahlen?
Ja. Eine GmbH gilt allein wegen ihrer Rechtsform als Gewerbebetrieb. Gesellschaften, die nur eigenen Grundbesitz verwalten, können die erweiterte Kürzung beantragen.
Was ist die erweiterte Kürzung bei der Gewerbesteuer?
Statt der Grundsteuer wird der Teil des Gewerbeertrags abgezogen, der auf die Verwaltung und Nutzung des eigenen Grundbesitzes entfällt. Einfache und erweiterte Kürzung gibt es nicht nebeneinander.
Wo wird die erweiterte Kürzung beantragt?
In der Gewerbesteuererklärung des jeweiligen Jahres. Ohne Antrag gilt nur die einfache Kürzung um die Grundsteuer.
Wie wird die Gewerbesteuer einer vermögensverwaltenden GmbH berechnet?
Gewinn plus Hinzurechnungen minus Kürzungen, abgerundet auf volle 100 €, mal 3,5 Prozent Messzahl, mal Hebesatz der Gemeinde. Einen Freibetrag hat die GmbH nicht.
Zahlt eine GmbH mit Aktien Gewerbesteuer auf Dividenden?
Bei einer Beteiligung von mindestens 15 Prozent zu Beginn des Jahres bleibt die Dividende in der Gewerbesteuer weitgehend außen vor; darunter wird sie wieder hinzugerechnet.
Und Bilanzboss?
Im Abschluss mit Bilanzboss wird die Gewerbesteuer der GmbH aus Ihren Zahlen gerechnet; die als Aufwand gebuchte Grundsteuer geht dabei als einfache Kürzung ab. Die erweiterte Kürzung rechnet Bilanzboss noch nicht. Ob sie greift, entscheiden Sie oder Ihre Kanzlei.
Die Kürzung für GrundbesitzDieser Ratgeber erklärt allgemein, wie es geht, und rechnet mit erfundenen Zahlen. Er ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Ob etwas auf Ihre Gesellschaft passt, klären Sie im Zweifel mit einer Steuerkanzlei.
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