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Mindesthebesatz 2027: steigt Ihre Gewerbesteuer von selbst?

Zum Erhebungszeitraum 2027 steigt der gesetzliche Mindesthebesatz von 200 auf 280 % — ohne Beschluss der Gemeinde. Nach unserer eigenen Auszählung betrifft das heute 43 von 10754 Gemeinden.

Das Fachwerk-Rathaus von Duderstadt – die Gemeinde setzt den Hebesatz

Diese Seite rechnet, was im Gesetz steht. Sie ist keine Beratung im Einzelfall und darf keine sein.

Fundstelle. § 2 StBerG

Ihre Gemeinde

Der Name genügt — „Köln“, „Bad Wiessee“, „Monheim am Rhein“. Zusätze wie „, Stadt“ stören nicht.

Es gibt viele Gemeinden gleichen Namens. Bei Mehrdeutigkeit wird nichts geraten.

Gewinn aus Gewerbebetrieb zuzüglich Hinzurechnungen und abzüglich Kürzungen. Wer die ganze Kette rechnen will, nimmt den Gewerbesteuerrechner.

Es wird nichts gespeichert: keine Eingabe, kein Ergebnis, keine Kennung. Kein Konto nötig.

Warum die Steuer ohne Beschluss steigt

Im Gewerbesteuergesetz steht jetzt über den Hebesatz: „Er beträgt 280 Prozent, wenn die Gemeinde nicht einen höheren Hebesatz bestimmt hat.“ Vorher stand dort 200 Prozent.

Fundstelle. § 16 Abs. 4 Satz 2 GewStG

Die Gewerbesteuer entsteht in zwei Stufen: Das Finanzamt setzt den Steuermessbetrag fest — Gewerbeertrag mal Steuermesszahl 3,5 %, die Gemeinde wendet darauf ihren Hebesatz an. Der Mindesthebesatz greift damit in der zweiten Stufe: Der Messbetrag bleibt gleich, die Steuer steigt.

Fundstelle. § 11 Abs. 2 GewStG; § 16 Abs. 1 GewStG

Das ist keine Aufforderung an die Gemeinden, etwas zu beschließen, sondern eine unmittelbar geltende Rechtsfolge, die kraft Gesetzes wirkt. Der Hebesatz beträgt 280 Prozent.

Wer heute 250 Prozent erhebt, hat keinen höheren Hebesatz bestimmt — für den Erhebungszeitraum 2027 sind dann 280 Prozent anzuwenden, auch wenn die Hebesatzsatzung nie angefasst wird und im Amtsblatt nichts steht.

Geändert hat das das Neunte Gesetz zur Änderung von Vorschriften im Steuerberatungsrecht sowie im Steuerrecht, ausgefertigt am 29.06.2026 und verkündet am 02.07.2026. Der Änderungsbefehl im Gesetzentwurf ersetzt nur eine Zahl: Aus der Angabe „200“ wird die Angabe „280“.

Anzuwenden erstmals für den Erhebungszeitraum 2027 — bis einschließlich 2026 bleibt es bei 200 Prozent.

Fundstelle. Artikel 7 des Gesetzes, BGBl. 2026 I Nr. 197; § 36 Abs. 5b GewStG

Die Begründung des Entwurfs sagt, warum: „Es hat sich gezeigt, dass auch der derzeitige Mindesthebesatz für die Gewerbesteuer in Höhe von 200 Prozent noch zu hohe Anreize für rein steuermotivierte Unternehmensverlagerungen bietet.“ (Bundestags-Drucksache 21/6002)

Eine kleine Gemeinde zwischen Feldern

43 von 10.754 Gemeinden liegen heute darunter

Das ist unsere eigene Auszählung über den Datenbestand, nicht eine übernommene Größenordnung: Für jede der 10.754 Gemeinden im Bestand wird der jüngste bekannte Gewerbesteuer-Hebesatz gegen den ab 2027 geltenden Mindestsatz von 280 % gehalten.

Stand des Bestands: 19. Oktober 2026; der amtliche Realsteuervergleich reicht bis zum Berichtsjahr 2024.

Der niedrigste Hebesatz im Bestand beträgt 200 %. Für ein Unternehmen dort steigt die Gewerbesteuer zum Erhebungszeitraum 2027 um 80 % — ohne dass die Gemeinde etwas tut.

Die zehn niedrigsten Hebesätze im Bestand
GemeindeHebesatzStandProzentpunkte bis 280 %
Giersleben (Sachsen-Anhalt)200 %2024+80
Langenwolschendorf (Thüringen)200 %2024+80
Bad Alexandersbad (Bayern)220 %2024+60
Kemnath, St (Bayern)230 %2024+50
Röttenbach (Bayern)230 %2024+50
Wolfertschwenden (Bayern)230 %2024+50
Bad Wiessee (Bayern)240 %2024+40
Bad Wörishofen, St (Bayern)240 %2024+40
Grünwald (Bayern)240 %2024+40
Gundremmingen (Bayern)240 %2024+40

Die vollständige Liste steckt im Datenbestand; sie ändert sich mit jeder Satzung. Ob Ihre Gemeinde dabei ist, sagt der Rechner oben.

Woher die Hebesätze kommen

10.754 Gemeinden im Bestand, Stand 19. Oktober 2026; der amtliche Realsteuervergleich reicht bis zum Berichtsjahr 2024.

Verbindlich ist allein die Haushalts- oder Hebesatzsatzung der Gemeinde. Die amtliche Statistik erscheint erst im Folgejahr; für ein Jahr ohne amtliche Veröffentlichung tragen Sie den Satz selbst ein.

Statistische Ämter des Bundes und der Länder: „Hebesätze der Realsteuern“ (Ausgaben 2020 bis 2022) und Regionaldatenbank Deutschland, Tabelle 71231-03-01-5 (Stichtag 31.12.2023 und 31.12.2024); Statistisches Bundesamt: Realsteuervergleich 2025 (kreisfreie Städte)

Statistische Anteile: Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0 (www.govdata.de/dl-de/by-2-0), Daten wurden aufbereitet. Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder.

Häufige Fragen

Was ist der Mindesthebesatz?

Die Untergrenze, unter die keine Gemeinde den Hebesatz der Gewerbesteuer setzen darf. Bis 2026 sind es 200 Prozent, ab 2027 sind es 280 Prozent.

Muss meine Gemeinde dafür etwas beschließen?

Nein. Liegt ihr Hebesatz darunter, gilt ab 2027 der Mindesthebesatz kraft Gesetzes. Ihr Bescheid steigt, auch wenn der Gemeinderat nichts ändert.

Wie viel mehr zahlt eine GmbH?

Bei 100.000 Euro Gewerbeertrag beträgt der Messbetrag 3.500 €. Jeder Prozentpunkt Hebesatz kostet dann 35 €. Eine Gemeinde mit 250 Prozent, die auf 280 Prozent steigt, macht 9.800 € statt 8.750 € – also 1.050 € mehr.

Mehr: Fundstellen und was nicht belegt ist

Fundstellen

Jede einzeln nachgesehen, Stand 18.09.2026. Der Sicherheitsgrad gilt pro Fundstelle, nicht pro Absatz.

StelleWofürGradWo nachgesehen

Fundstelle. § 16 Abs. 1 GewStG

dass die Gemeinde den Hebesatz bestimmt und die Steuer auf Grundlage des Messbetrags damit erhoben wirdA — Wortlaut der Norm im Volltext gelesenkonsolidierter Gesetzestext

Fundstelle. § 16 Abs. 3 GewStG

die Frist 30. Juni: danach darf der Hebesatz für das laufende Jahr nur noch gesenkt werdenA — Wortlaut der Norm im Volltext gelesenkonsolidierter Gesetzestext

Fundstelle. § 16 Abs. 4 Satz 1 GewStG

„Der Hebesatz muss für alle in der Gemeinde vorhandenen Unternehmen der gleiche sein.“A — Wortlaut der Norm im Volltext gelesenkonsolidierter Gesetzestext

Fundstelle. § 16 Abs. 4 Satz 2 GewStG, geltende Fassung

„Er beträgt 280 Prozent, wenn die Gemeinde nicht einen höheren Hebesatz bestimmt hat.“ — und damit, dass der Mindestsatz ohne Beschluss der Gemeinde wirktA — Wortlaut der Norm im Volltext gelesenkonsolidierter Gesetzestext

Fundstelle. § 36 Abs. 5b GewStG

dass die neue Fassung erstmals für den Erhebungszeitraum 2027 anzuwenden istA — Wortlaut der Norm im Volltext gelesenkonsolidierter Gesetzestext

Fundstelle. Artikel 7 des Gesetzentwurfs, BT-Drs. 21/6002 vom 19.05.2026

den Änderungsbefehl: Die Angabe „200“ wird durch die Angabe „280“ ersetzt.

Fundstelle. § 16 Absatz 4 Satz 2 GewStG

B — aus einer amtlichen Veröffentlichung gelesenBundestags-Drucksache, dserver.bundestag.de
Neuntes Gesetz zur Änderung von Vorschriften im Steuerberatungsrecht sowie im Steuerrecht, ausgefertigt 29.06.2026, verkündet 02.07.2026, BGBl. 2026 I Nr. 197Titel, Daten und Fundstelle des ändernden GesetzesB — aus einer amtlichen Veröffentlichung gelesenVerkündungsportal des Bundes, recht.bund.de
Begründung zum Gesetzentwurf, BT-Drs. 21/6002„Es hat sich gezeigt, dass auch der derzeitige Mindesthebesatz für die Gewerbesteuer in Höhe von 200 Prozent noch zu hohe Anreize für rein steuermotivierte Unternehmensverlagerungen bietet.“B — aus einer amtlichen Veröffentlichung gelesenBundestags-Drucksache, dserver.bundestag.de

Fundstelle. § 11 Abs. 1 und 2 GewStG

Abrundung auf volle 100 €, Freibetrag 24.500 € für natürliche Personen und Personengesellschaften, Steuermesszahl 3,5 %A — Wortlaut der Norm im Volltext gelesenkonsolidierter Gesetzestext

Fundstelle. R 14.1 Satz 3 GewStR

dass der Steuermessbetrag auf volle Euro abgerundet wird — eine Verwaltungsanweisung, im GewStG steht dazu nichtsB — aus einer amtlichen Veröffentlichung gelesenGewerbesteuer-Handbuch des BMF

Fundstelle. § 4 Abs. 5b EStG

dass die Gewerbesteuer keine abziehbare Betriebsausgabe ist und die Mehrbelastung deshalb bei einer Kapitalgesellschaft in voller Höhe stehen bleibtC — nur Sekundärquelle — nicht am Gesetzes- oder Amtstext bestätigtallgemein bekannte Norm
In dieser Recherche nicht am Volltext des Gesetzes nachgelesen. Wir führen sie deshalb als ungeprüft, obwohl sie unstreitig ist.

Fundstelle. § 35 Abs. 1 EStG

die Anrechnung des Vierfachen des Messbetrags auf die Einkommensteuer, begrenzt auf die tatsächlich zu zahlende GewerbesteuerA — Wortlaut der Norm im Volltext gelesenkonsolidierter Gesetzestext
Eigener Datenbestand aus der amtlichen Statistikwie viele Gemeinden unter dem neuen Mindestsatz liegen und welchen Hebesatz eine einzelne Gemeinde führtB — aus einer amtlichen Veröffentlichung gelesenunsere eigene Auswertung; die statistischen Anteile stammen aus der Regionaldatenbank Deutschland, Tabelle 71231-01-03-5
Der Hebesatz Ihrer Gemeinde für das laufende Jahrob der Satz im Bestand noch giltC — nur Sekundärquelle — nicht am Gesetzes- oder Amtstext bestätigtder Bestand reicht nur so weit, wie der amtliche Realsteuervergleich erschienen ist
Verbindlich ist allein die Haushalts- oder Hebesatzsatzung der Gemeinde. Jede Statistik hinkt ihr hinterher: Der Realsteuervergleich erscheint erst im August bis September des Folgejahres. Ein Satz aus einem Vorjahr wird hier mit seinem Jahr ausgewiesen und nicht als aktueller ausgegeben.
Die Zahl der betroffenen Gemeinden aus fremden Veröffentlichungeneine im Netz verbreitete GrößenordnungC — nur Sekundärquelle — nicht am Gesetzes- oder Amtstext bestätigtKanzleiveröffentlichungen
Wir übernehmen sie nicht. Die Zahl auf dieser Seite ist aus unserem eigenen Datenbestand gezählt und mit Stand und Quelle ausgewiesen.

Was wir nicht belegen können

Diese Punkte stehen hier, damit niemand sie für gesichert hält.

  • Ob eine betroffene Gemeinde bis 2027 von sich aus erhöht Ein Beschluss bis zum 30. Juni wirkt auf den 1. Januar desselben Jahres zurück. Eine Gemeinde kann also über 280 Prozent hinausgehen; dann gilt ihr Satz. Diese Rechnung zeigt die Untergrenze, nicht die Obergrenze.

    Fundstelle. § 16 Abs. 3 GewStG

  • Der Volltext des ändernden Gesetzes im BundesgesetzblattDas Regelungstext-PDF von BGBl. 2026 I Nr. 197 war nicht abrufbar. Titel, Ausfertigungs- und Verkündungsdatum sowie die Fundstellennummer sind über die amtliche Metadatenseite bestätigt, der Änderungsbefehl über die Bundestags-Drucksache.
  • Die genauen Daten des GesetzgebungsverfahrensZwei Kanzleiveröffentlichungen nennen für die Zustimmung des Bundesrates verschiedene Tage. Wir behaupten deshalb keinen.
  • Ob Ihr Betrieb Betriebsstätten in mehreren Gemeinden hat Dann wird der Messbetrag zerlegt und jede Gemeinde wendet ihren eigenen Hebesatz auf ihren Anteil an. Diesen Fall rechnet der Rechner nicht — er rechnet mit einer Gemeinde.

    Fundstelle. §§ 28, 29 GewStG

Die ganze Kette, nicht nur der Hebesatz

Zwischen Gewinn und Gewerbeertrag stehen die Hinzurechnungen und die Kürzungen. Der Gewerbesteuerrechner zeigt jeden Schritt mit seiner Fundstelle.

Fundstelle. § 8; § 9 GewStG

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